Das Projekt
Zunehmende Wetterextreme wie Starkregen, längere Trockenphasen und milde Winter belasten unsere Böden. In Kombination mit intensiver Bodenbearbeitung steigt das Risiko für Erosion, Wasserstress und den Verlust von Bodenfruchtbarkeit. Wie können Böden widerstandsfähiger werden und landwirtschaftliche Erträge langfristig gesichert bleiben? Eine vielversprechende Antwort lautet: Direktsaat. Bei der Direktsaat wird der Boden nur minimal bearbeitet und das Saatgut direkt in den Boden eingebracht, ohne vorher zu pflügen oder zu grubbern. Das spart Energie und Arbeitszeit. Vor allem aber stärkt es die Struktur und Funktion des Bodens. Regenwürmer und Mikroorganismen bauen ein stabiles Porensystem auf, das Wasser besser aufnimmt und speichert. So wird der Boden resilienter und fit für zunehmende Wetterextreme.
Um Ackerbausysteme zukünftig an die Auswirkungen des Klimawandels besser anpassen zu können, müssen die heutigen Bodenbewirtschaftungssysteme vielerorts überdacht werden. Hierbei gilt der Grundsatz: Weniger Bearbeitungsintensität bedeutet häufig mehr Bodenfruchtbarkeit und damit besseres Kompensationsvermögen gegenüber zunehmenden Extremwetterlagen.
Prof. Dr. Conrad Wiermann
Professor für Pflanzenernährung und Bodenkunde, HAW Kiel
Vorteile auf einen Blick:
- verbesserte Infiltrationsraten und geringeres Erosionsrisiko
- bessere Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit
- mehr Bodenleben durch ungestörte Strukturen
- höhere Wasserspeicherkapazität und stabilere Erträge
- relevanter Beitrag zur Klimaanpassungsstrategie
Im Projekt "Klimafitte Böden" geht es darum, die entscheidenden Stellschrauben zu finden, um reduzierte Bodenbearbeitungssysteme in Schleswig-Holstein erfolgreich umzusetzen. Welche Schwierigkeiten treten dabei auf und was bewährt sich in der Praxis? Diese Fragen begleiten wir in den kommenden drei Jahren gemeinsam mit zehn Leuchtturmbetrieben in Schleswig-Holstein.
Ebba Nagel
Ansprechpartnerin für das Projekt "Klimafitte Böden", HAW Kiel
Herausforderungen in der Praxis
Trotz ihrer Vorteile ist Direktsaat in Deutschland noch selten. Nur ein Prozent der Ackerflächen wird so bewirtschaftet. Die Umsetzung bringt Herausforderungen bei der Unkrautregulierung, Düngung oder dem Umgang mit Schnecken und Wühlmäusen. Außerdem erwärmt sich der Boden im Frühjahr langsamer und Düngemittel bleiben teilweise auf der Mulchschicht liegen. Auch die Technik stellt Landwirtinnen und Landwirte vor Herausforderungen, etwa bei der Saatkornablage oder Bewältigung großer Mengen an Strohresten.
Die Pflanzenproduktion im Ackerbau ist durch den Klimawandel auf produktive und zugleich resilientere Anbausysteme angewiesen. Das Projekt "Klimafitte Böden" leistet hierzu einen wesentlichen Beitrag, indem es praxisnahe Lösungen entwickelt und Landwirtinnen und Landwirte auf dem Weg zu klimaangepassten, stabilen und leistungsfähigen Produktionssystemen begleitet.
Prof. Dr. Helge Stephan
Professor für Acker- und Pflanzenbau, HAW Kiel
Mit Direktsaat zu fitten Böden
Das Projekt "Klimafitte Böden" zeigt als Modell- und Demonstrationsvorhaben, wie Direktsaat und reduzierte Bodenbearbeitung erfolgreich umgesetzt werden können. Gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben, Beratung und Wissenschaft werden praxistaugliche Wege entwickelt und dieses Wissen breit zugänglich gemacht. Die beteiligten Betriebe decken alle Naturräume Schleswig-Holsteins und unterschiedliche Bewirtschaftungssysteme im Acker- und Futterbau ab, um individuelle, standortgerechte Lösungen zu entwickeln.
Dafür werden Versuche durchgeführt zu den Themen: Direktsaattechnik, Düngungsverfahren, Wühlmaus- und Schneckenmanagement, Glyphosatreduzierung, Wasserkonditionierung, reduzierter Bodendruck und Optimierung der Fruchtfolgen.
In enger Zusammenarbeit von Hochschule, Landwirtschaftskammer, Gewässerschutzberatung und Praxisbetrieben entsteht ein starkes Netzwerk für Wissenstransfer und Praxislösungen. Feldtage und Demonstrationen sind ein zentraler Bestandteil des Projekts. Alle Interessierten aus Landwirtschaft, Beratung und Öffentlichkeit sind herzlich eingeladen, sich zu informieren, mitzudiskutieren und Teil des Netzwerks zu werden. Erste Veranstaltungen sind geplant - konkrete Termine werden rechtzeitig auf der Website bekannt gegeben.